10 Fragen an …

2
290

Karsten Socher Fotografie (KS-Fotografie)
Fotografenmeister und Bildjournalist in Kassel, Jahrgang 1974

1. Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Das fing früh an. Mit zehn Jahren habe ich Weihnachten 1984 von meinen Eltern eine Kodak Disc geschenkt bekommen, nachdem ich öfters mit den Kameras meiner Eltern experimentiert hatte. Da fing es an. Die Neugier, wie können Bilder entstehen? Wie funktioniert das mit der Kamera? Wie wird ein Film belichtet, warum geschieht das, wie entsteht der Abzug? Dann war es einige Jahre eingeschlafen, war nur gelegentliches knipsen. Einige Jahre später, ich glaube es war die siebte oder achte Klasse auf der Realschule, bekamen wir Physikunterricht. Damit kam dann die Lehre der Optik und mehr. Der Physiklehrer war gleichzeitig der Leiter des Schullabors und hat uns das im Unterricht vermittelt. Mit der neunten Klasse durften wir dann im Wahlunterricht endlich ins Schullabor. Für den Unterricht hatte ich mich angemeldet, weil mich das Thema einfach interessierte. Und dann war das Feuer entfacht. Schnell war ich der Haus-, Hof- und Schulfotograf unserer Schule und Schülerzeitung, konnte mir jederzeit den Schlüssel zum Labor holen und verbrachte jede freie Minuten und jede Freistunde, aber auch manche langweilige Deutschstunde, dort. Damit war aber noch nicht klar, was ich werden will. Weil ich keinen Ausbildungsplatz für eine Bankkaufmannlehre gefunden habe, habe ich umgeplant und das in Angriff genommen, was mir Spaß macht. Sofort fand ich einen Ausbildungsplatz zum Fotofachlaborant, einen Ausbildungsplatz zum Fotografen zu bekommen war nicht so einfach. Nach der Ausbildung hatte ich dann eine Lehrstelle, wo ich zum Fotografen ausgebildet wurde.

u45

2. Wo liegen Deine Schwerpunkte und warum?

Ich habe gerade meine Webseite www.KS-FOTOGRAFIE.net neugestaltet und habe mich durch mein Bildarchiv mit mehr als 350.000 Aufnahmen aus den vergangenen 25 Jahren gearbeitet. Dabei habe ich bemerkt, dass es ist gar nicht einfach ist, Bilder zu bestimmten Themen oder Schwerpunkte abzugrenzen, weil vieles einfach ineinandergreift durch meine Haupttätigkeit als Bildjournalist. Ich habe eine handwerkliche Ausbildung absolviert und bin in Portrait- und Hochzeitsfotografie geschult wurden, habe als jüngster Fotograf erfolgreich die Meisterprüfung bestanden. Während der Ausbildung habe ich nebenbei Veranstaltungen mit der Kamera dokumentiert und Reportagen fotografiert. Darüber bin ich in den Bereich Bildjournalismus gekommen, welcher heute noch Grundlage meines Handelns ist. Bildjournalismus ist zwar ein dehnbarer Begriff, denn er enthält alle Bereiche. Man muss Sport, Politik, Reportagen, Veranstaltungen, Blaulichteinsätze, Konzerte, Business und Menschen fotografieren. Man lernt täglich neue Menschen und neue Geschichten kennen. Bildjournalismus ist ein Bereich, der nie langweilig wird. Und die hier gesammelten Erfahrungen sind wieder wunderbare Grundlage, um Hochzeiten zu dokumentieren oder Reportagen von Veranstaltungen sowie Konzerte anzufertigen. Und das alles zusammen macht unheimlich viel Spaß und Freude. Darüber hinaus fotografiere ich gerne Akt und ich experimentiere gerne mit – für mich- -neuen Techniken.

8578

3.Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?

„Ein gutes Foto ist ein Foto, auf dem man länger als eine Sekunde schaut“, sagte mal Henri Cartier. Und dem kann ich nur zustimmen. Ein Foto muss Interesse wecken und die Lust, dass man es sich länger anschauen will. Leider werden Fotos heute immer mehr zu einer „Massenware“. Onlinemedien legen Wert auf viele Bilder in ihren Bildergalerien, um viele Klicks zu bekommen. Foren, Plattformen oder Soziale Medien quillen über mit Bildern, die man sich nicht länger als eine Sekunde anschauen will oder kann, weil man die Zeit dafür nicht mehr hat. Um aus dieser Masse hervorzustechen, muss also das Interesse geweckt werden, dass man es länger als eine Sekunde anschauen will. Ein gutes Bild muss Emotionen wecken, neugierig machen und eine Geschichte für sich erzählen.

6575

4. Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle oder wird vieles exakt geplant?

Das hängt vom Fototermin ab. Es gibt Einsätze, da ist alles nur Zufall. Hier versuche ich den Punkt vorzuahnen, wann was passiert oder eine Person an eine Position kommt. Mit dieser Vorahnung versuche ich mein Bild zu planen. Aber in der Regel wird viel geplant. Was wünscht der Kunde, die Redaktion, die Agentur? Wie ist der Artikel, welche Bilder passen dazu? Dann tausche ich mich mit den Kunden bzw. den zu fotografierenden Probanden aus, wir planen was machbar und möglich ist. Damit entwickeln wir dann die Geschichte.

i57

5. Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“, also Video, für Dich interessant?
Vor zwanzig Jahren habe ich angefangen mich mit Video zu beschäftigen. Ich war damals Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und hatte einige Veranstaltungen gefilmt, anschließend geschnitten, die sind dann im im Offenen Kanal Kassel gezeigt wurden. Vergangenes Jahr habe ich diese rausgesucht, auf CD brennen lassen und dann auf das iPad kopiert. Ich glaube, die Filme werden heute Filmanfänger gezeigt damit diese lernen, wie man es nicht macht. So schrecklich sind diese. Ich weiß schon, warum ich das Thema nicht weiterverfolgt habe …
Aber im Ernst, das Thema „Bewegtbild“ wird für uns Fotografen immer wichtiger. Durch die neuen Spiegelreflexkameras mit Videofunktion sind wir gezwungen, Videos für die Presse mitzuliefern. Immer mehr Redaktionen fragen an, ob man das nicht gleich mit übernehmen kann. Ich bin davon eigentlich kein Freund. Dafür gibt es Spezialisten. Mein Bäcker um die Ecke ist auch nicht gleichzeitig mein KFZ-Meister, nur weil er sich mit Autos auskennt. Aber es ist eine zusätzliche Einnahmequelle. Und wir Fotografen wissen, worauf es ankommt bei der Lichtsetzung. Also ist der Übergang vom fotografieren zum filmen nur ein gering kleiner. Schlimmer sehe ich dann den ganzen daran hängenden Ratenschwanz wie Nachbearbeitung, Filme für verschiedene Anforderungen ausgeben und das archivieren. Ich selber will mich jetzt mit kleinen Schritten in dieses Thema einarbeiten. Überrascht bin ich von der guten Qualität, wenn man von einem Bewegtbild einen Printabzug anfertigt. Für den Zeitungs- oder Magazindruck bis DIN A4 ist diese Qualität ausreichend.

5555

6. Welche Rolle spielen für Dich Social Media und Internet im Bereich professioneller Fotografie?
Social Media kann vieles sein. Auf der einen Seite kann man sich mit Kollegen austauschen und in Kontakt bleiben, ebenso kann man den Kontakt zu bestehenden Kunden halten und das erste Eis brechen, wenn man neue Kunden akquirieren will. Man kann schnell auf sich und auf seine neuesten Arbeiten aufmerksam machen. Die Nachteile auf der anderen Seite sind, dass die Pflege der Social Media auch viel kostbare Arbeits- und Lebenszeiten in Anspruch nimmt. Auch wenn ich das eine oder andere nicht missen will, beneide ich die Kollegen, die ganz und gar darauf verzichten können. Meine neue Webseite www.KS-FOTOGRAFIE.net und mein neuer Blog www.KS-FOTOGRAFIE.net/blog sehe ich aber als wichtigste Visitenkarte an. Auf allen anderen Kanälen bin ich zwar auch anzutreffen, aber nicht regelmäßig. Am liebsten bin ich übrigens bei Twitter unterwegs, weil sich hier alle mit 140 Zeichen kurz fassen müssen 🙂

222

7. Wie hat die digitale Fotografie in Deinen Augen das Handwerk verändert, jetzt wo jeder eine DSLR hat
In der Berufsschule haben wir 1994 über die Entwicklung der Digitalen Fotografie diskutiert. Damals sind wir davon ausgegangen, dass sich die Digitale Fotografie nie und so schnell entwickeln kann, dass die Analoge Fotografie oder der Beruf des Fotografen gefährdet ist. Zehn Jahre später waren wir schlauer, da hatte der Analoge Fotomarkt einen Einbruch erlebt und die Digitale Fotografie war am vorreiten. Die Veränderungen sind vielseitig. Leider sind viele bekannte Firmen oder Produkte aus der Analogen Fotografie verschwunden. Zu deren prominentesten Opfer zählen bekanntlich Kodak und Agfa sowie viele Fotolabore. Auch verzichten immer mehr Verlage auf gute professionelle Fotografen, schicken stattdessen lieber ihre Redakteure zu den Terminen, die dann weniger gute Bilder abliefern, wodurch die Qualität der Zeitung leidet. Oder sie lassen sich kostenfrei die Bilder von Lesern oder Veranstaltern liefern. Der Preisdruck der Auftraggeber wird immer schlimmer und viele Kostenpositionen, die früher ohne Anstand akzeptiert wurden, werden kritisiert. Es drängen sich immer mehr Laienfotografen auf den Markt, die Jobs zu Konditionen anbieten, die weit unter denen eines Profils liegen und wo man nicht mithalten kann. Hier gehe ich aber davon aus, dass sich der Markt irgendwann früher oder später selbstbereinigt. Traurig ist nur die Teufelsspirale: Kauft man sich jährlich eine neue Kamera, benötigt man die aktuellste Software, die benötigt den neuesten Rechner. Das sind Ausgaben, die man früher nicht so hatte. Das ist die Seite, die in meinen Augen die traurige Entwicklung der digitalen Fotografie sind. Aber es gibt auch positives. Man kann heute mehr experimentieren und mit der Kamera spielen, wenn man seinen Schuss im Kasten hat. Manchmal sind das die schöneren Aufnahmen. Und man darf die vielen bekannten Fotokünstler
wie Calvin Hollywood, Matthias Schwaighoeffer oder Pavel Kaplun nicht vergessen, die wahrscheinlich ohne Photoshop nicht die Fotografie für sich entdeckt hätten. Dann würde eine Bereicherung fehlen.

1

8. Worin siehst Du die Herausforderungen für Fotografen in der näheren Zukunft?
Wer für sich einen Schwerpunkt in der Fotografie findet, darin einen Namen macht und gute Qualität seinen Kunden liefert, sich regelmäßig weiterbildet und offen für neues ist, wird die Herausforderungen in der Zukunft bestehen.

444

9. Was ist für dich wichtig, wenn Du Fotozubehör für deine Arbeiten kaufst ?
Ich gebe lieber ein paar Euro mehr aus und kaufe qualitativ gutes Zubehör als preiswerte Produkte, über die ich mich später ärgere. Es muss zuverlässig und langlebig sein, also nicht beim ersten Wassertropfen ausfallen. Und ich will einen Ansprechpartner haben, an den ich mich bei Problemen wenden kann. Nichts ist ärgerlicher, wenn man ein Produkt besitzt, dessen Support im Ausland ist und dieser nur umständlich zu kontaktieren ist.

6

10. Gibt es ein „Foto-Traumprojekt“, das Du irgendwann einmal verwirklichen möchtest?
Ich habe einige Ideen, die schon lange auf meiner Agenda stehen. Ob ich diese mal irgendwann angehen kann, steht in den Sternen. Aber ich würde gerne einmal für längere Zeit auf Reisen gehen, verschiedene Plätze auf der Welt fotografieren. Aber auch eine Portraitserie steht auf dem Plan.

8

Link zur Website: www.KS-FOTOGRAFIE.net

Link zum Blog:
www.KS-FOTOGRAFIE.net/blog

Link zu Facebook:
www.fb.com/KSFOTOGRAFIE

Link zu Twitter:
www.twitter.com/KarstenSocher

Link zu Google+:
https://plus.google.com/+KsfotografieNetKarstenSocher/

Link zu YouTube:
https://www.youtube.com/user/KSFoto

Link zu LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/karstensocher

Link zu Flickr:
https://www.flickr.com/people/karstensocher/

Link zu Instagram:
http://instagram.com/karstensocher

Link zu Pinterest:
http://www.pinterest.com/karstensocher/

Link zu Tumblr:
http://karstensocher.tumblr.com

Link zu Vimeo:
https://vimeo.com/user20846022

Link zu Xing:
https://www.xing.com/profile/Karsten_Socher

Link zur Fotocommunity:
http://portfolio.fotocommunity.de/karstensocher

Link zu Slideshare:
http://de.slideshare.net/KarstenSocher

_____________________________________________________________
Bildmaterial:
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Karsten Socher.
Weitere Nutzung, Kopien und Sharing nur mit dessen ausdrücklicher Genehmigung .
_____________________________________________________________