10 Fragen an …

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Kathrin Kolbow / Fotografin

 

1. Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Fotografie hat mich, wie wahrscheinlich jeden heutzutage, immer umgeben. Sie war irgendwie immer da, jedoch hat es einige Zeit gedauert, bis mir ihre volle Bedeutung für mich und mein weiteres Leben bewusst wurde. Erst mit Anfang zwanzig habe ich mir meine erste kleine Kamera gekauft und angefangen mit Hilfe der Fotografie Geschichten zu erzählen. Das entwickelte sich weiter und die Bedeutung der Fotografie wurde auch aufgrund der Tatsache größer, das ich mein persönliches Empfinden und Erlebtes anderen Menschen näher bringen konnte, ohne das auch nur ein konkretes Wort über meine Lippen kommen musste. Das Interesse stieg, also war der Entschluss dann auch nicht mehr weit, die Fotografie vom Hobby zum Beruf zu machen und so fand ich meinen Weg zur Fotoakademie Koeln. Dort wurde aus etwas, das sich bis dahin einfach nur richtig anfühlte eine konkrete Idee. Dort bin ich mit Hilfe meiner Dozenten zu meiner ganz eigene Handschrift gekommen.ee

2. Wo liegen Deine Schwerpunkte und warum (People, Konzeptionell, …)?
Meine Schwerpunkte liegen in der illustrativen Fotografie, der Reportage und der Kunst (obwohl der Begriff Kunst an sich ja sehr weit dehnbar ist). Wichtig für mich ist, das meine Bilder Geschichten erzählen und Gefühle wecken, gerne auch negative – über die denkt man ja tendenziell intensiver und länger nach. Wenn ich in die unangenehme Gedankenwelt und die dunklen Ecken, die in jedem von uns versteckt sind mit meinen Fotos eindringen kann, bin ich zufrieden.34

3. Magst du uns bitte die Hintergründe, Gedanken und Empfindungen verraten, die hinter deinen Serien stecken?

Places They Called Home

Jeder Millimeter, den wir sehen, berühren, auf dem wir gehen und stehen enthält so viele Erinnerungen, so viel gelebtes Leben und jeden Tag kommen neue Momente hinzu. Durch unsere bloße Existenz schenken wir Umgebungen oder Gegenständen Bedeutung. So erzählt beispielsweise die alte Treppe vor unserem Haus unsere persönliche Geschichte, wir sehen Freunde, mit denen wir dort gesessen haben, riechen den Kuchen, den wir dort teilten und schmecken die Lippen, die wir dort küssten beim bloßen Betrachten dieses geformten Betons. Jedoch sind wir damit nicht alleine. Diese Treppe, die vielleicht einen Meter unserer schnelllebigen Welt für sich in Anspruch nimmt verbirgt unendlich viele Geschichten, die wir niemals erfahren werden. Wir sind umgeben von Geheimnissen, die sich selbst durch die Zeit zu welchen machen.

ich-illustriert-leben

ich-illustriert-leben beschreibt meinen ganz persönlichen Lebensweg. Schlüsselmomente, das heißt Begebenheiten, die mich zu dem machten, der ich heute bin und Menschen, die mich prägten arbeiten Hand in Hand und formen somit ein vages Bild meiner Selbst. Durch die abstrakte Übersetzung von eben diesen Menschen und Ereignissen in Bilder bleibt es jedem Betrachter möglich, seine eigenen Gedanken und sein eigenes Leben in die Interpretation dieser Serie mit einfließen zu lassen. Denn im Grunde funktioniert unser Leben nicht anders. Alles was wir hören interpretieren wir aufgrund eigener Erfahrung und eigener Vorstellungen. Egal wie nah ich mich jemandem fühle, ich bleibe doch immer alleine, in meiner Welt, in meinem Kopf und in meinem ganz subjektiven Empfinden. Wenn ich versuche meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen werden sie doch vom Empfänger interpretiert und verbogen, um dem eigenen Verständnis zu entsprechen. Ich-illustriert-leben ist eine Geschichte, meine Geschichte, gebrüllt in eine Welt, die draus tausende Erzählungen machen wird.

Albträume
Diese Serie resultiert tatsächlich aus dreien meiner Albträume, besser gesagt aus dem einzig konkreten Bild, das mir blieb als ich aus ihnen erwachte. Förmlich schwimmend in diesem ungreifbaren Albtraumgefühl habe ich diese im Halbschlaf auf Papier festgehalten, nachgebaut und im Studio unter Zuhilfenahme der Fachkamera fotografiert, um sie, vergleichbar mit Filmstills, festzuhalten.

Maria
Für meine erste Reportage habe ich über Monate hinweg Maria, die an Demenz erkrankt war, und ihren Sohn, der sich um sie kümmerte, zu Hause besucht. Für mich fühlte es sich stets so an, als würde ich in ein anderes Universum eintauchen, sobald sich die Haustür hinter mir schloss. Dort fand sich ein fremder Kosmos, versteckt hinter einer herkömmlichen Hausfassade, der geprägt durch die Demenz eine ganz eigene Wechselwirkung der Interaktion für sich erschaffen hatte. Die Zeit schien langsamer zu vergehen, die Wertigkeiten hatten sich verschoben und auf das Wesentliche reduziert. Gleichzeitig wurde mir klar, wie kostbar Erinnerungen sind und wie sie uns eigentlich erst zu dem machen, der wir sind.

4. Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle oder wird vieles exakt geplant?
Ich plane gerne im Voraus, was ich genau fotografieren möchte. Mein Skizzenbuch ist voll mit Storyboards und kleinen Bildaufbauskizzen. Während ich fotografiere weiche ich jedoch gerne mal vom Plan ab ohne das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. Dabei entstehen ganz intuitiv Fotos, die ich so im Voraus gar nicht hätte planen können.w

5. Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“, also Video, für Dich interessant?
Generell bin ich sehr interessiert an crossmedialem Arbeiten und das nicht nur im Kontext von Foto und Video. Das heißt, Video und Fotografie zu kombinieren reizt mich sehr, jedoch würde ich für mich persönlich die Fotografie nie aufgeben um nur noch Videos zu produzieren.

6. Welche Rolle spielen für Dich Social Media und Internet im Bereich professioneller Fotografie?
Eine interessante und aussagekräftige Homepage ist für mich nicht mehr wegzudenken. Facebook, Twitter und Co. nutze ich jedoch bislang nur privat und weniger auf professionelle Weise.q

7. Wie hat die digitale Fotografie in Deinen Augen das Handwerk verändert, jetzt wo jeder eine DSLR hat und im Glauben ist alles selbst realisieren zu können?
Ich selbst habe mein fotografisches Schaffen erst richtig begonnen, da war die Digitalisierung bereits sehr weit fortgeschritten. Das heißt ich nutze sämtliche Vorteile, die diese mit sich gebracht hat, liebe jedoch gleichzeitig auch die Arbeit mit analogen Geräten. Ich finde es wichtig beide Arten, wenn man das so nennen kann, der Fotografie für sich zu nutzen, anstatt sich nur auf eine Arbeitsweise festzulegen. Selbst wenn man im digitalen Zeitalter groß wird sollte man die Finger nach den analogen Möglichkeiten ausstrecken. Darüber hinaus ist in meinen Augen die Digitalisierung der Fotografie nicht das Problem, viel mehr ist sie der Nährboden für kollektive Selbstüberschätzung, wofür wiederum die Digitalisierung nicht viel kann.

8. Worin siehst Du die Herausforderungen für Fotografen in der näheren Zukunft?
Die größte Herausforderung bleibt wohl die, in der alltäglichen Bilderflut nicht unterzugehen. Das heißt man muss interessant und individuell sein, seinen eigenen Stil finden und an diesem festhalten ohne sich festzufahren. Wichtig ist die Augen offen zu halten, sich selbst treu zu bleiben und, ganz gleich was kommen mag, weiter zu machen.

9. Was ist für dich wichtig, wenn Du Fotozubehör für deine Arbeiten kaufst ?
Aufgrund meiner begrenzten Mittel steht für mich generell die sinnvolle Ergänzung meines Sortiments im Vordergrund. Wichtig ist mir die Möglichkeit aus relativ wenig eine Menge heraus zu holen.

10. Gibt es ein “Foto-Traumprojekt”, das Du irgendwann einmal verwirklichen möchtest?
Ich würde gerne mit einer größeren Gruppe von Fotografen die psychologische Wirkung von isolierten Räumen, unabhängig von Zeit und Außenwelt, auf das persönliche Denken, Befinden und vor allem auf die eigene Fotografie und Bildsprache ergründen.

 

Infos zur Fotografin unter
fotografenpunk.com

HapaTeam Webshop
http://www.hapa-team.de/