Dramatische Schwarzweiß-Fotos mit Infrarotfilter

1
712
Hohe Kontraste mit dem Infrarot-Filter
Hohe Kontraste mit dem Infrarot-Filter

Eine dramatische Stimmung des Lichts und des Himmels sind das Lebenselixier vieler schwarzweißer Landschafts- und Architekturfotos. Wenige Wolken an einem klaren Tag sind die beste Voraussetzung dafür, damit sich auf den Bildern ein maximaler Kontrast ergibt. Um Himmel und Erde gleichmäßig zu belichten, bietet sich ein Grauverlaufsfilter an. Der dämpft das zu grelle Licht des Himmels und bringt Zeichnung in Vorder- und Hintergründe. Alternativ kann man auch ein Motiv mit großen Helligkeitsunterschieden in zwei getrennten Bildern aufnehmen, indem man einmal auf den Himmel und das andere Mal auf die Erde belichtet. Beide Bilder werden dann am Computer zu einer Aufnahme kombiniert.

Fotografieren mit Infrarotfilter
Fotografieren mit Infrarotfilter / © R. Schubert

Infrarotfilter für maximale Kontraste

Du willst es noch spektakulärer? Kein Problem. Dann ist ein Infrarotfilter dein bester Freund, wenn es um maximale Kontraste geht. Die Infrarotfotografie ist schon sehr extrem und wie auch die HDR-Fotografie bisweilen sehr speziell. DER Standardfilter für die Infrarotfotografie ist der „Hoya Infrarot R 72“. Dieser kostet mit 50-80 Euro (je nach Durchmesser) nicht die Welt, sorgt aber für eine wahre Kontrastexplosion in deinen Fotos.  Der Filter ermöglicht einen dunklen, fast schwarzen Himmel, klare weiße Wolken und eine extrem helle Vegetation. Denn das Grün der Natur wird radikal aufgehellt, weil das Chlorophyll der Pflanzen das Infrarotlicht reflektiert – der sogenannte Woodeffect. Das alles gibt deinen Schwarzweiß-Fotos einen sehr dramatischen, fast irrealen Bildlook.

Extreme Kontraste mit Infrarotfiltern. Meistens werden diese in der Nachbearbeitung zumindest partiell abgemildert
Extreme Kontraste mit Infrarotfiltern. Meistens werden diese in der Nachbearbeitung partiell abgemildert / © R. Schubert

Struktur macht den Unterschied

Wegen der hohen Kontraste sollte man beim Einsatz eines solchen Filters auf eine vorhandene Struktur in der Szenerie achten. Wolken sollten am Himmel vorhanden sein oder, bei einem durchgehend blauen Himmel, zumindest Baumkronen oder Gebäude (Wolkenkratzer) ins Bild ragen. Für gute Bilder lohnt es sich hier durchaus auch mal länger auf interessante Lichtverhältnisse zu warten.

Wichtig: Nicht bei Gegenlicht fotografieren, das macht die Kontraste dieses Filters zunichte.

Die Struktur im bild, wie Wolken, ist entscheidend
Die Struktur im Bild, wie z.B. Wolken, ist entscheidend / © R. Schubert

Technische Vorrausetzungen für Infrarotaufnahmen

Auch technisch gibt es beim Einsatz von Infrarotfiltern einiges zu beachten. Infrarotlicht ist mit bloßem Auge nicht sichtbar. Durch den Hoya R72-Filter sieht es fast undurchsichtig aus, weil dieser Filter nur Licht vom roten Grenzbereich des sichtbaren Spektrums überträgt. Der Filterfaktor und die Belichtungskompensation hängen also weitestgehend vom sichtbaren Licht und von den Lichtverhältnissen ab.

Infrarotfilter für einen dunklen Himmel, plastische Wolken und extrem helle Vegetation / © R. Schubert
Infrarotfilter für einen dunklen Himmel, plastische Wolken und extrem helle Vegetation / © R. Schubert

Die Belichtungszeiten werden dabei aufgrund des Sperrfilters (Tiefpassfilter) in der Kamera sehr lang und man sieht kaum bis nichts durch den Sucher. Bei strahlendem Sonnenschein, Blende 8 und ISO 100 kann man von mindestens 30 Sekunden bis zu mehreren Minuten Belichtungszeit ausgehen. Ein Stativ ist also unentbehrlich.

Ein Infrarotbild lebt von vielen Details.
Ein Infrarotbild lebt von vielen Details / © R. Schubert

Die richtige Kamera

Je aktueller die Kamera, umso besser das Ergebnis? Kommt drauf an. Wenn deine Kamera keinen Tiefpassfilter besitzt, kannst du guten Gewissens loslegen. Ältere DSLR-Kameras, wie zum Beispiel eine Nikon D70, kommen mit diesen Filtern sogar besser zurecht, als die neuesten Hightech-Boliden mit Tiefpassfilter. Denn die in diesen „Oldtimern“ eingebauten Sperrfilter sind noch relativ schwachbrüstig, was guten Infrarotbildern sehr entgegenkommt. Die Sensoren moderner Digitalkameras sind dagegen für infrarotes Licht sehr empfindlich und besitzen deshalb starke Sperr- bzw. Tiefpassfilter.

Bei den meisten digitalen Spiegelreflexkameras kann man den internen Sperrfilter übrigens in einer Spezialwerkstatt entfernen und durch einen IR-durchlässigen Filter vor dem Sensor ersetzen lassen. Das ermöglicht die gewohnt kurzen Belichtungszeiten, so dass mit einer solchen umgebauten Kamera auch ohne Stativ gearbeitet werden kann.

Tipp für diejenigen, die viel mit Infrarotfiltern fotografieren möchten:
Für die Infrarotfotografie eine gebrauchte ältere DSLR bei Ebay kaufen und umbauen lassen. Der Umbau kostet ca. 200-400 Euro, je nach Kameramodell.

Infrarotfotografie – Kontraste am Maximum
Quicktipp: Funktioniert meine Kamera?

Mittels der Fernbedienungsmethode kannst du rausfinden, ob deine Kamera für diese Art von Fotografie geeignet ist: Schnapp dir die TV-Fernbedienung und stelle die Kamera bei Blende 5.6 und ISO 100 auf 0,30 Sekunde Belichtungszeit. Dann fotografierst du die vorne an der Fernbedienung liegende IR-Diode, während du irgendeine Taste der Fernbedienung gedrückt hältst. Wenn du jetzt auf dem Foto die Diode leuchten siehst, kannst du den Filter kaufen (Durchmesser beachten, die richtige Größe steht auf dem Objektiv) und loslegen. Wenn nicht, dann ist diese Kamera für Infrarotaufnahmen nicht geeignet.

Bestens geeignet: eine ältere DSLR-Kamera wie die Nikon D70 mit modernem Weitwinkelobjektiv (Tokina 11-20 F2.8 DX)
Bestens geeignet: eine ältere DSLR-Kamera wie die Nikon D70 mit modernem Weitwinkelobjektiv (Tokina 11-20 F2.8 DX)

Übrigens: Infrarotfilter eignen sich nicht nur für Architektur- oder Landschaftsfotos, sondern auch für Porträts mit extrem glatter Haut.

_

Produkttipp

Hoya Infrarot R 72

HOYA Infrarot-Filter dienen dazu, sichtbares Licht weitgehend oder gänzlich auszufiltern bzw. zu absorbieren. Der HOYA Infrarot-Filter R72 sperrt sichtbares Licht bis 720 nm.

Verfügbare Durchmesser: 46, 49, 52, 55, 58, 62, 67, 72, 77, 82, 86, 95

Infos, Preise und Händler

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

1 KOMMENTAR

  1. Sehr guter Artikel. Ich habe mir vor kurzem einen IR Filter gekauft, das hat garnicht funktioniert. Jetzt kenne ich das Übel: den Kamera-Tiefpassfilter.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here