Sichtweisen: Felix Brokbals

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HapaTeam stellt monatliche Fotografen vor, diesmal: Felix Brokbals

Das Jahr ist wieder um einen Monat älter. Das bedeutet ein neues Feature des Monats. 309101_267160036735644_727123511_nDabei handelt es sich erneut um einen Peoplefotografen, der den fotografischen Übergang von Sommer zu Herbst übernimmt: Felix Brokbals. Seine Werke bestechen durch das gezielte Arbeiten mit Licht und Schatten, interessanten Konzepten und nicht selten außergewöhnlichen Modellen. Die Bilder kommen ohne viel „drumherum“ aus. Wir haben Felix darum gebeten, ein bisschen über sich und seine Arbeit zu schreiben. Was er zu sagen hat, findet ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Uns hat sein unglaubliches Talent und Gespür für den Moment überzeugt und sind gespannt was da noch kommen wird. Er wird in Kürze ein paar unserer Produkte testen und uns die Ergebnisse zeigen. Wer ihm folgen möchte, findet am Ende dieses Artikels seine Website und Facebook Fanpage.

Hi. Ich bin Felix Brokbals, 25, gebürtiger Bamberger, lebe im wunderbaren Halle an der Saale, studiere an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Multimedia & Virtual Reality Design und fotografiere neben dem Studium Menschen, die in mir etwas auslösen.

Als ich ca. 2008 mit dem Fotografieren angefangen habe, haben mich vor allem diverse Fotografen aus einschlägigen Online-Communities beeinflusst – namentlich wahrscheinlich eher nicht bekannt. Später kristallisierten sich dann Leute wie Juri (damals noch bei nujolie), Kai Mueller,  Rolland Andreas Flinta, Bülent Kirschbaum oder auch Matthias Leberle heraus, deren Arbeiten mich, mit ihrer so individuellen, starken und gleichzeitig sanften Bildsprache und ihren Bildideen und vor allem deren Umsetzung, immer wieder begeistern. Mittlerweile überfluten mich Facebook, 500px und Co. mit großartigen Fotografen, deren Namen ich mir alle fast nicht mehr merken kann 🙂

Was die „klassischen“ Fotografen angeht, blättere ich gern im Bildband „Not Fade Away“ von Jim Marshall, weil es einfach so ehrlich und nah an diesen scheinbar unnahbaren Berühmtheiten wie Johnny Cash, Janis Joplin oder Jimmy Hendrix ist. Außerdem gefallen mir seine Texte, die er zu den Bildern geschrieben hat. August Sander hat mit „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ein Werk an Portraitarbeiten geschaffen, das bis heute nichts von seiner Faszination und seiner Aussagekraft verloren hat. Jeanloup Sieff ruft in meinem Kopf vor allem die Assoziation „Schatten“ hervor. Ohne Licht kein Schatten, ohne Schatten keine Bilder und er scheint ihn spielerisch leicht, aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu bändigen, während die Fotos bei aller Inszenierung nicht an Authentizität und Kraft verlieren.

Ich denke, dass sich meine Art zu Fotografieren aus all diesen und einigen Punkten mehr zusammenfügt. Mein Papa hat mir, als ich 15 oder 16 war seine Nikon FG erklärt und als Dauerleihgabe überlassen. Da hat es für mich glaube ich endgültig „klick“ gemacht. Zu Anfang habe ich noch wirklich alles Fotografiert, was mir vor die Linse kam. Später habe ich mich dann immer mehr auf Menschen konzentriert. Seit 2010 ungefähr, als ich meinen Mediengestalter-Abschluss frisch in der Tasche und das Abi gerade angefangen hatte, würde ich sagen, dass ich wirklich mehr Energie in das stecke, was ich ungern nur noch als Hobby bezeichne. Leidenschaft ist mir mittlerweile auch ein zu abgewetzter Begriff. Trotzdem geht es wohl eher in die Richtung.

 

Meine Models finde ich unter meinen Freunden, auf der Straße, im Café, in der Bahn oder bei Facebook. Manchmal auch in den Foto- und Modelcommunities. Aber mir sind unroutinierte, unerfahrene und unbekannte Models oft am liebsten. Menschen, vor allem Frauen, die selten bis nie vor einer professionellen Kamera standen und damit aus meiner Sicht einfach ehrlicher vor selbiger stehen, wenn ich sie fotografieren darf. So passiert es dann nicht selten, dass ein Shooting mal gut und gerne 4 bis 5 Stunden dauert, von denen ca. 3 Stunden mit Fotos machen gefüllt sind. Der Rest ist Kaffee, Tee, Bier und Gespräche. Mir ist wichtig, dass die Chemie stimmt. Bin ich mit dem Menschen vor meiner Kamera nicht auf einer Wellenlänge, wird sich das auch in den Fotos widerspiegeln. Ganz sicher. Daher treffe ich mich im Idealfall auch vorher mit jeder und jedem, den ich fotografiere, um zu sehen, ob wir zusammenpassen. Die besondere Ausstrahlung der Models muss ich fühlen. Das kann ich auch nicht wirklich beschreiben. Irgendwie muss dieser Mensch etwas in mir auslösen. Sonst lasse ich es lieber – so schön sie / er auch sein mag. Von Begleitpersonen halte ich in der Regel übrigens nichts. Das stört die Atmosphäre. Egal, ob die Person im Nachbarzimmer sitzt, die beste Freundin / der beste Freund oder sonst wer ist. Wenn das Vertrauen zwischen Fotograf und Model stimmt, sollte sich diese Frage aber sowieso von selbst erledigen.

Wenn ich dann fotografiere, versinke ich voll und ganz im Moment und hinter meiner Kamera. Da kann es schon mal passieren, dass ich vergesse, zu sagen, was das Model denn gerade überhaupt machen soll oder was ich gerade fotografiere. Ein Problem war das allerdings nie. Wenn ich so bei mir bin, dann spüre ich den Raum um mich herum und sehe durch die Kamera mehr, als nur den Ausschnitt, den sie mir bietet. Dann entsteht eine Symbiose, deren Faszination sich nur schwer greifen lässt. Umso trauriger bin ich, wenn ich länger nicht zum Fotografieren komme. Daran sind nicht selten Uni und Job schuld. Martin Neuhof hat mich vor Kurzem bei einem Treffen lächelnd mit den Worten sinngemäß so vorgestellt: „Das ist der Felix. Der macht alle halbe Jahre mal Fotos.“ Das war natürlich nicht so bissig gemeint, wie es sich hier liest. Aber recht hat er ja schon irgendwie. Das stachelt mich dann schon an und ich hoffe immer wieder, dass ich mal kontinuierlich Zeit und Models finde, um öfter hinter der Kamera zu versinken.

Im letzten Semester hat mir mein Film „malu“ alle Zeit und Nerven geraubt, überhaupt an Fotos zu denken. Aber der Aufwand hat sich gelohnt und ich konnte mit dem Film beim Foresight Filmfestival 2015 meinen ersten Erfolg feiern.

Und zum Schluss noch für die Technik-Nerds: Ich greife digital auf eine Canon 5D Mark II zurück. Als Optiken nehme ich eine 50mm 1.4 Festbrennweite, ein 100mm f2.8 Makroobjektiv und das 24-70 f2.8. Mehr braucht’s eigentlich nicht. Lichttechnisch verlasse ich mich am liebsten auf das, was da ist: Fenster, Sonne, reflektierende Wände, Lampen vor Ort. Ab und zu kommt auch ein kompakter Blitz mit Octalight zum Einsatz.

 

Analog habe ich einen Strauß an über 30 Möglichkeiten, von denen aber vor allem folgende Kameras Verwendung finden: die Linhof Technika 70 mit 6×9 Superrollex Rückteil, Nikon FG mit Nikkor 50mm 1.8, Rolleicord III oder auch mal eine Zenit.

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