Foodfotografie – Fotos zum Anbeißen

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Foodfotografie - Fotos zum Anbeißen

Fototechnik und Umsetzung – wir du „leckere“ Foodfotos erstellst

Die Foodfotografie vereint mit dem Kochen und Fotografieren von Lebensmitteln und Speisen zwei komplexe und überaus kreative Disziplinen. Demzufolge vielschichtig und herausfordernd ist dieses Fotogenre. Wenn du gerne Lebensmittel verarbeitest und kreative Speisen zubereitest sowie ein fotografisches Genre für dich erobern willst, dann sind die folgenden Tipps das optimale Rezept für dich auf deinem Weg zum Foodfotografen oder zur Foodfotografin.

Foodfotografie - Fotos zum Anbeißen
Foodfotografie – Fotos zum Anbeißen

Als Foodfotograf geht es nicht so sehr darum, ein zubereitetes Gericht nur durch Knipsen zu dokumentieren, sondern um ein aufeinander abgestimmtes Arrangement verschiedener Komponenten. Genauso wie in anderen fotografischen Genres ergibt sich aus der Vielzahl von Motiven (in dem Fall das Essen) auch eine unüberschaubare Vielzahl von Kombinationen.

Du bestimmst mit den ausgewählten Nahrungsmitteln nicht nur das jeweilige Gericht, sondern ein gelungenes Foodfoto wird maßgeblich von den Behältnissen, Untergründen, Hintergründen sowie Accessoires bestimmt.

Foodfotografie - Fotos zum Anbeißen
Foodfotografie – Fotos zum Anbeißen

Wenn du Spaß an der Foodfotografie findest, dann wirst du bald enthusiastisch nach ungewöhnlichen Requisiten forschen. Mit deinem fotografischen Know-how bestimmst du zudem entscheidend die Bildwirkung mit: vor allem mit dem Lichtaufbau und der exakt ausgewählten Schärfentiefe.

Geeignete Objektive

Foodfotos sind dadurch charakterisiert, dass die wichtigsten Bildelemente (also Gericht sowie Requisiten) räumlich sehr nah beieinander platziert sind. Hinsichtlich der Bildaussage spielen Details des weit entfernten Hintergrundes keine Rolle.

Das zubereitete Gericht und die Requisiten sollen möglichst komprimiert als Ensemble dargestellt werden. Viele Foodfotos zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine geringe Schärfentiefe aufweisen und nur ein ganz bestimmter Bereich des Foodfotos scharf ist, um so die Blickrichtung des Betrachters zu lenken.

Foodfotografie - Fotos zum Anbeißen
Foodfotografie – Fotos zum Anbeißen

Daraus ergibt sich, dass Weitwinkelobjektive für diese Art der Fotografie im Allgemeinen nicht geeignet sind. Denn sie haben einen weiten Bildwinkel, sodass Vorder-, Mittel- und Hintergrund miteinander verbunden werden.

Weitwinkelobjektive führen besonders an den Bildrändern zu Verzerrungen, was bei Aufnahmen des Nahbereichs stark zur Geltung kommt. Außerdem ist bei Weitwinkelobjektiven die Fokusebene generell sehr ausgedehnt.

Foodfotografie mit dem Tokina opera Objektiv
Foodfotografie mit dem Tokina opera F1.4 Objektiv. Gezielter Fokus auf Details.

Zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln bei Foodfotos gehören dagegen Unschärfeverläufe, welche sich umso besser erzielen lassen, je lichtstärker ein Objektiv ist. Denn bei lichtstarken Objektiven lässt sich die Blende besonders weit öffnen.

Dabei sind besonders Festbrennweiten, wie beispielsweise das neue Tokina opera F1.4, besonders lichtstark. Mit dessen Offenblende von F1.4 kannst du dann auch problemlos die Schärfeebene wählen und somit den Blick des Betrachters beeinflussen.

Foodfotografie - Fotos zum Anbeißen
Schöne Hintergrundunschärfe mit dem Tokina opera F1.4 Objektiv

Dagegen sind Foodfotos mit einer durchgehenden Schärfentiefe, wozu ein höherer Blendenwert notwendig ist, eher in der Minderheit; lassen sich aber grundsätzlich auch mit einem lichtstarken Objektiv umsetzen. Mit Teleobjektiven komprimierst du aufgrund des engen Bildwinkels die bildwichtigen Elemente und der Hintergrundausschnitt wird kleiner und unschärfer.

Tolle Schärfeverläufe - Das tokina opera F1.4 Objektiv
Schöne Schärfeverläufe – Das Tokina opera F1.4 Objektiv

Mit einer längeren Brennweite musst du zwar im Allgemeinen weiter vom Motiv wegtreten, aber in normal großen Räumen wie den eigenen vier Wänden reicht der Platz dafür aus. Ein Normalobjektiv mit einer Brennweite von 50 Millimetern ermöglicht besonders „natürliche“ Foodfotos, weil der Bildwinkel dem Blickwinkel des normalen Sehens nahekommt.

Sie haben Ihren Einsatzbereich, wenn mehrere bildwichtige Elemente möglichst scharf präsentiert werden sollen, zum Beispiel ein Mehr-Gänge-Menü oder eine gedeckte Tafel.

Makroobjektive

Zur Darstellung von Details bei Lebensmitteln und zubereiteten Speisen sind Makroobjektive die erste Wahl. Dabei solltest du beachten, dass ein Makroobjektiv immer die physikalischen Eigenschaften der jeweiligen Brennweite besitzt. Ein 25-mm-Makroobjektiv ist eben ein Weitwinkelobjektiv und ein 100-mm-Makroobjektiv ist ein Teleobjektiv.

Foodfotografie mit Tokina 100mm Makroobjektiv
Foodfotografie mit dem Tokina 100mm Makroobjektiv

Wichtig sind bei Makroobjektiven der Abbildungsmaßstab von mindestens 1:1, sodass das Motiv mindestens in Originalgröße auf dem Sensor abgebildet wird, und eine möglichst geringe Naheinstellgrenze.

So fängst du Oberflächen von Lebensmitteln oder das gemahlene Pfefferkorn auf dem Basilikumblatt detailgetreu und formatfüllend ein. Mit solchen Makrofotos bereicherst du deine individuellen Foodfotoserien.

Foodfotografie mit Tokina 100mm Makroobjektiv
Foodfotografie mit Tokina 100mm Makroobjektiv

Makroobjektive haben eher eine geringe Schärfentiefe, wobei die Unschärfe mehr vor dem Schärfepunkt als dahinter liegt. Daher ist es mit einem Makroobjektiv nicht notwendig, die Blende möglichst weit zu öffnen. Wenn du mehrere Objektive zur Auswahl hast, dann fotografierst du von einem Motiv mit einem Makroobjektiv, wie dem Tokina ATX 2,8/100 Pro D Macro AF Objektiv, sehr abwechslungsreiche Foodfotos.

Stativ, Lichtformer und weitere Hilfsmittel

Ein stabiles Stativ mit einem Dreibein ist in der Foodfotografie enorm wichtig. Denn dadurch verhinderst du ungewollte Unschärfe durch Verwackeln; auch wenn Bildstabilisatoren bei Foodfotos aus der Hand ihre Arbeit gewissenhaft erledigen.

Achte allerdings darauf, dass du den Bildstabilisator der Kamera ausschaltest, wenn du ein Stativ verwendest. Ein weiteres Verwackeln verhinderst du durch einen Fern- oder Selbstauslöser per Zeitsteuerung.

Makrofotografie für Anfänger
Softes Blitzlicht mit Gary Fong Diffuser

Die Lichtbedingungen sind in der Fotografie essentiell, auch bei Foodfotos. Foodfotografen haben gegenüber anderen Fotogenres den Vorteil, den Lichtaufbau beeinflussen zu können. Natürliches Licht erhältst du, wenn du die Lebensmittel oder das zubereitete Gericht in Fensternähe platzierst.

Tageslicht ist generell am geeignetsten, wobei das Motiv dabei aber nicht direkt von der Sonne bestrahlt werden sollte. So vermeidest du deutlich sichtbare Schatten und Kontraste, welche in anderen Fotogenres durchaus Gestaltungsmittel sein können. Bei Foodfotos stören sie aber.

Der weiche Übergang zwischen Licht und Schatten macht Foodfotos erst so richtig appetitlich. Das Hauptmotiv muss immer zeichnungsfrei dargestellt werden; es darf also weder hell ausfressen noch dunkel absaufen.

Foodfotografie - jedes Detail zählt
Foodfotografie – jedes einzelne Detail zählt

Aber nicht immer ist ausreichend Tageslicht in der gewünschten Lichtqualität vorhanden. Damit Foodfotos auch bei problematischen natürlichen Lichtbedingungen gelingen, bist du auf künstliche Hauptlichtquellen, wie Blitze, LED-Dauerlicht, etc. angewiesen.

So können Softboxen und Lichtschirme als streuende Lichtformer fungieren. Um die vom Hauptlicht ausgehenden Schatten zu minimieren, werden Reflektoren eingesetzt, die sich gegenüber der Hauptlichtquelle befinden.

Das Auge isst mit
Das Auge isst mit. Achte auf schönes Geschirr und passende Accessoires.

Hierbei ist zu beachten, dass durch Material und Größe der Reflektoren keine neuen Schatten entstehen. Zusätzlich können mit Spiegeln, Reflektoren oder räumlich platzierten weiteren Blitzen noch Akzentlichter gesetzt werden, wodurch sich Details hervorheben lassen.

Besonders interessant ist hier für Nutzer von Aufsteckblitzen das Blitzdiffuser-Zubehör von Gary Fong, das als mobiles Fotostudio für die Fototasche fungiert. In Verbindung mit einem Blitz, wie dem Nissin i400 (für Anfänger) oder dem Powerblitz Nissin MG10 (für Fortgeschrittene und Profis), stellst du so manche Studioblitzanlage „in den Schatten“. Und das zu einem Bruchteil der Kosten von Studiolichtanlagen.

Foodfotografie mit dem Nissin i400 Blitz
Foodfotografie mit dem Nissin i400 Blitz – viel Blitzpower (LZ 40) zum günstigen Preis

Die optimale Beleuchtung hängt immer auch von der gewünschten Bildaussage ab. Viele Foodfotografen beleuchten Ihre zubereiteten Gerichte von hinten, also bei Gegenlicht. Von vorne müssen dann nur noch Refflektoren (Styropor tuts auch) platziert werden, um zusätzliche Schatten zu vermeiden. So entstehen ein heller Hintergrund und faszinierende Lichtsäume am Motivrand.

Jetzt wird serviert
Jetzt wird serviert

Bei transparenten Motiven werden bei Gegenlicht die vorhandenen Strukturen besonders hervorgehoben. Die Hauptbeleuchtung von vorne ist auch weit verbreitet. Dann liegt der hintere Teil des Motivs im Schatten, dessen Bereich allerdings möglichst klein gehalten werden sollte.

Das Foodfoto gewinnt somit ausreichend Struktur. Bei Seiten- oder Streiflicht fällt Licht von der Seite ein. Die erzeugten Schatten befinden sich dann auf der lichtabgewandten Seite. Diese Beleuchtung eignet sich vor allem dann, wenn die Oberflächenstruktur des Foodmodells herausgehoben werden soll.

Jetzt bleibt uns nur noch zu wünschen, dass das Essen genauso toll schmeckt, wie die Fotos ausschauen 😊

Im Artikel genannte Produkte & Händler

Bildmaterial: Oliver Hadji, Şehnaz Şeker, René Schubert, Unsplash, Tokina, Nissin