Makrofotografie – Tipps für Anfänger

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Makrofotografie für Anfänger / Bild: R. Schubert

Dein Garten – die schönste Fotokulisse des Sommers.
Neun einfach umzusetzende Praxistipps für deinen Einstieg in die Makrofotografie

Objektiv & Alternativen

Es gibt eine Vielzahl an Optionen, um in die Makrofotografie einzusteigen. Wer aufs Budget achten muss oder will, kann zu Extension Tubes bzw. Zwischenringen greifen, die sich zusammen mit einem Nicht-Makroobjektiv verwenden lassen. Man kann sogar ein normales Objektiv umdrehen und mit einem Umkehrring (Retroadapter) auf den Body setzen. Das ist zugegebener Maßen ein wenig fummelig, aber einen Versuch wert.

Makrofotografie für Anfänger
Tokina 100mm Makroobjektiv / Bild: Tokina

Die beste Option allerdings, und das nicht nur für Anfänger, ist natürlich ein richtiges Makroobjektiv, wie das Tokina AT-X M100 AF Pro D. Im Vergleich zu normalen Objektiven kannst du mit Makroobjektiven näher an das Objekt herangehen und somit auch einen größeren Abbildungsmaßstab erreichen. Die gängigsten Varianten haben Brennweiten zwischen 90mm und 105mm und einen Abbildungsmaßstab von 1:1.

Faszinierende Pflanzenwelten / Bild: Oliver Hadji

Es gibt natürlich auch kürzere Brennweiten, wie 50mm oder 60mm. Diese haben aber auch kürzere Arbeitsabstände. Das bedeutet, dass du deinem Motiv stark auf die Pelle rücken musst. Dabei kann es passieren, dass du es verscheuchst, wenn es sich beispielsweise um ein Insekt handelt.

1:1 Abbildungsmaßstab bedeutet, dass dein Fotomotiv bei einer möglichst genauen Fokussierung auf dem Sensor genauso groß ist, wie im realen Leben. Wenn du beispielsweise eine Kamera mit Vollformatsensor (auch Kleinbild genannt, Fläche 36x24mm) benutzt, passt ein Insekt, das 36 Millimeter lang ist, genau ins Bild.

Wetter und Location

Blumen, Käfer und Insekten gehören zu den Lieblingsmotiven von Makrofotografen. Schau also nach einem Ort, wo alles vorhanden ist, zum Beispiel in einem botanischen Garten.

Makrofotografie für Anfänger
Ein wolkiger, bedeckter Himmel eignet sich aufgrund des weicheren Lichts besser für die Makrofotografie als starker Sonnenschein. Bild: Ryosuke Takahashi

Außentemperaturen von um die 15 Grad sind ideal, denn Insekten sind eher aktiv, wenn es wärmer ist. Bei winterlichen Temperaturen wird es schwierig, ein krabbelndes Motiv vor die Linse zu bekommen. Achte aber auch auf das Licht. Ein wolkiger, bedeckter Himmel eignet sich aufgrund des weicheren Lichts besser für die Makrofotografie als starker Sonnenschein.

Blitz

Wenn du sehr kleine Objekte wie Insekten fotografierst, wird die Fokusebene extrem eng – ein paar Millimeter oder weniger. Daher musst du deine Blende auf mindestens F16 einstellen, um die Chance zu haben, den größten Teil eines Insekts scharf im Fokus zu haben. Kleiner als Blende 16 solltest du allerdings aufgrund der dann voll zuschlagenden Beugungsunschärfe nicht gehen.

Makrofotografie mit Blitz
Makrofotografie mit Blitz / Bild: René Schubert

Neben der kleinen Blende benötigst du eine schnelle Verschlusszeit, um Verwackler zu vermeiden. Ein guter Aufsteckblitz ist deshalb ein Muss. Manchmal reicht auch der Pop-Up-Blitz der Kamera, für eine hohe Bildqualität empfiehlt sich allerdings ein aufsteckbarer Systemblitz, wie der Nissin i60A oder dessen kleiner Bruder, der Nissin i40.

Highspeed-Sync sorgt dafür, dass der Sensor die ganze Zeit korrekt belichtet wird
Wenn du Insekten aus nächster Nähe fotografieren willst, musst du einen Blitz wie den Nissin i60A verwenden

Es gibt aber auch einige Situationen in der Makrofotografie, in denen ein Blitz nicht unbedingt benötigt wird. Zum Beispiel, wenn du mit Blende F2.8 oder F4 fotografierst und viel natürliches Umgebungslicht vorhanden ist. Nachteil zum guten Licht ist in dem Fall aber der nur minimale Schärfebereich. Wenn du allerdings Insekten aus nächster Nähe fotografieren und mehr als einen kleinen Teil davon im Fokus haben willst, musst du einen Blitz verwenden.

Diffusor

Makrofotografie für Anfänger
Softes Blitzlicht mit Gary Fong Diffusern, die einfach auf den Blitz gesteckt werden

Wenn du einen Blitz für die Makrofotografie verwendest, ist es empfehlenswert, einen Diffusor zu verwenden. Ideal geeignet dafür ist das gute und günstige Blitzzubehör von Gary Fong, das in nahezu jeder Fototasche Platz findet. Merke: Je größer die Lichtquelle, desto glatter und weicher werden die Schatten in deinen Fotos. Aus diesem Grund sind auch große Oktaboxen in der Porträtfotografie sehr beliebt. Wenn du einen Diffusor in der Makrofotografie verwendest, wird die Streufläche des Blitzlichts viel größer und das Licht in deinen Fotos wird weniger hart aussehen. Gleichzeitig werden die Farben besser herausgearbeitet.

Verschlusszeit

In der Makrofotografie wirst du feststellen, dass schon kleinste Vibrationen, die von deinen Händen ausgehen, genügen, um das ganze Bild zu ruinieren. Das Pulsieren des Blutes in den Adern kann dafür bereits ausreichen. Vor allem, wenn sich weibliche Fotografen in der Spinnenfotografie versuchen 🙂

Makrofotografie für Anfänger
Makrofotografie mit dem Tokina 100mm Makroobjektiv

Wenn sich ein Insekt, das du fotografieren möchtest, auf einer Pflanze sonnt, die sich im Wind wiegt, wird das Ganze zur Herausforderung. Eine schnelle Verschlusszeit ist daher besonders für Anfänger zu empfehlen, wenn diese ohne Blitz fotografieren. Beginne also am besten mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sekunde oder schneller oder nutze zu Beginn den Makro-Modus deiner Kamera, wenn du dich noch nicht an die manuellen Einstellungen ran traust.

Schwierig zu fotografieren: Insekten, die auf Grashalmen schaukeln
Schwierig zu fotografieren: Insekten, die auf Grashalmen schaukeln

Beim Einsatz eines Blitzes bist du weitaus flexibler. Die Leuchtdauer eines Blitzes ist extrem kurz und kann dein Motiv scharf „einfrieren“, sogar in Kombination mit einer längeren Verschlusszeit, wie 1/100 s. Selbst leicht zitternde Hände werden bei der Belichtung kaum wahrnehmbar sein.

Der Vorteil einer etwas längeren Verschlusszeit besteht darin, dass du einen zu dunklen Hintergrund vermeiden kannst, den du sonst häufig bei Makroaufnahmen mit einem Blitz und sehr kurzen Verschlusszeiten erhältst. Stattdessen kannst du so etwas mehr Farbe in den Hintergrund bekommen.

Makrofotografie für Anfänger
Dunklerer Hintergrund beim Blitzen. Foto: Ryosuke Takahashi / Tokina 100mm Makroobjektiv

Zusammenfassende Empfehlung: Beginne mit einer sehr kurzen Verschlusszeit. Wenn du etwas geübter bist, versuche, die Verschlusszeit schrittweise zu vergrößern, kombiniert mit einem Blitz.

Fokussierung

Zu allererst: Vergiss den Autofokus. Der ist in den meisten Fällen nicht schnell genug, um bei einer 1:1 Vergrößerung mit dem unvermeidlichen Zittern der Hände klar zukommen. Denn schon beim kleinsten Zittern verschiebt sich der Fokuspunkt und das Bild wird aufgrund der sehr engen Schärfezone sofort unscharf. Manuelles fokussieren ist also sehr zu empfehlen.

Makrofotografie für Anfänger
Foto: Ryosuke Takahashi / Tokina 100mm Makroobjektiv

Zweiter Punkt: Verzichte auf ein Stativ. Das ist nicht nur unpraktisch in der Makrofotografie, es macht gute Bilder nahezu unmöglich. Denn die Makrofotografie ist kein statisches Fotografieren, wie z.B. die Produktfotografie im Studio, sondern du arbeitest immer mit beweglichen Objekten, egal ob Pflanze oder Insekt. In diesem Makrokosmos ist alles in Bewegung, auch wenn es manchmal nur wenige zehntel Millimeter sind. Bevor du deine Kamera auf dem Stativ neu ausgerichtet hast, ist die Gelegenheit schon vertan, oder im wahrsten Sinne weggeflogen oder – gekrabbelt.

Beispielfotos mit Samyang 100 mm Makroobjektiv
Aufnahme: Samyang 100 mm Makroobjektiv

Was tun? Greife die Kamera fest mit beiden Händen und fixiere deine Ellbogen je nach Position an der Seite deines Körpers oder den Beinen, um mehr Stabilität aufzubauen. Dann drehst du den Fokusring auf ungefähr den Bereich, den du scharf abbilden möchtest. Konzentriere dich jetzt nicht mehr auf den Fokusring, sondern bewege dich stattdessen minimal vor und zurück, während du versuchst, das Foto genau im richtigen Moment zu schießen.

Makrofotografie für Anfänger
Greife die Kamera fest mit beiden Händen und fixiere deine Ellbogen

Aktiviere an deiner Kamera das Focus-Peaking, das ist hierfür äußerst hilfreich. Es zeigt dir im Sucher an, welcher Bereich des Bildes gerade scharf ist. Übung macht den Meister! Wenn eines von zehn Bildern scharf ist, hast du ein gutes Verhältnis gefunden, auf dem du aufbauen kannst. Mache also möglichst viele Fotos von deinem Motiv und teste auch mal die Serienbildfunktion.

Fokalebene

Unter Fokalebene versteht man die Schärfentiefe senkrecht zur optischen Achse. Wie bereits erwähnt, ergibt eine in der Makrofotografie übliche sehr nahe Fokussierentfernung auch eine extrem enge Schärfezone bzw. -breite. Das triff genauso auf die Schärfentiefe zu. Du kennst das vielleicht aus der Porträtfotografie mit einer großen Blende (z.B. F1.4), wenn die Nase scharf und die wichtigen Augen unscharf sind. In der Makrofotografie ist das ähnlich, nur ist hier die Schärfezone viel enger – sowohl in die Breite als auch in die Tiefe.

Wir reden hier ja nicht über fortgeschrittene Techniken, wie das Focus Stacking. Als Anfänger musst du erst einmal die Grundlagen beherrschen. Dazu gehört, dass du diese engen Schärfeereiche in der Tiefe und Breite auf möglichst clevere Weise nutzt.

Makrofotografie für Anfänger
Makrofotografie für Anfänger – seitlich fotografierter Schmetterling

Versuche anfangs, möglichst flache Objekte zu finden und diese in den Schärfebereich des Objektivs zu stellen. Das können kleine flache Blumen sein, ein seitlich zu fotografierender Schmetterling oder auch ein Käfer mit flachem Panzer. Ein weiteres Beispiel für die kreative Nutzung der engen Fokusebene besteht auch darin, den Kopf eines Insekts aus dem verschwommenen Bokeh herausragen zu lassen. Dies ergibt eine interessante und ästhetisch ansprechende Wirkung.

Aufnahmewinkel bzw. -perspektive

Ein häufiger Anfängerfehler ist es, das Foto bequem von der Stelle aus aufzunehmen, an der man gerade steht. Und das meistens auch noch in einem Winkel von 45 Grad zum Insekt oder zur Blume. Dadurch wird dein Foto wie jedes andere Newbie-Makrofoto aussehen. Mit anderen Worten: langweilig.

Makrofotografie für Anfänger
Anderer Aufnahmewinkel – Foto: Ryosuke Takahashi / Tokina 100mm Makroobjektiv

Versuche, ungewöhnliche Aufnahmewinkel zu finden, z.B. das Insekt von der Seite, von vorne oder von unten zu fotografieren. Nutze das Klappdisplay der Kamera, wenn du nicht zusammen mit den Tierchen auf dem Boden herumkriechen willst. Wenn das Insekt auf einer Pflanze oder einem Blatt sitzt, versuche auch mal, diese Pflanze etwas hochzuziehen, um sie gegen den Himmel zu halten. Das gibt einen ungewöhnlichen Winkel und einen schöneren Hintergrund.

Vergrößerung

Bigger ist better? Je größer das Insekt im Bild, desto cooler das Foto?

Samyang 100 mm Makroobjektiv
Zu groß: Aufnahme mit dem Samyang 100 mm Makroobjektiv

Es ist oftmals besser, zugunsten eines schöneren oder interessanteren Fotos ein wenig Abstand nehmen und das Insekt genauso klein aussehen lassen, wie es tatsächlich ist, dargestellt in seiner Umgebung.

Mehr Infos zu den eingesetzten Produkten unter

www.hapa-team.de

Fotos: Tokina, Ryosuke Takahashi, Unsplash, René Schubert

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