Wie du das beste aus deinem Weitwinkel heraus holst

0
2549

Die Liebe zur Fotografie ist ungebrochen. Ganz hoch im Kurs steht die Landschaftsfotografie. Dies ist mit unter darauf zurück zu führen, dass die Meisten von uns auf Reisen und Ausflügen den Fotoapparat zücken. Immer im Gepäck sollte deshalb ein Weitwinkel Objektiv sein.

Wie Du jetzt das Beste aus deinem Weitwinkel heraus holst, erfährst du nach einem ganz kurzen Exkurs:

Alles unter einer Brennweite von 50mm ist ein Weitwinkel!

Im Grunde ist es so einfach. Bereits das 35mm Objektiv ist ein gemäßigtes Weitwinkel. In der Vergangenheit war dies das Objektiv der Wahl und auf vielen analogen Kameras angeflanscht. Allerdings wird ein „echtes“ Weitwinkel Objektiv erst ab 28mm seinem Namen gerecht. Brennweiten unterhalb der 20mm Marke werden nicht selten als Superweitwinkel und Ultraweitwinkel bezeichnet.

Je kürzer die Brennweite umso komplizierter die Konstruktion eines Weitwinkel Objektivs

Allerdings wird für Objektivhersteller die Konstruktion eines Objektives schwieriger umso kürzer die Brennweite ist. Es gilt Reflexionen zu verhindern, Randunschärfen und unschönen Verzerrungen Herr zu werden. Sind diese „Makel“ in der Mitte des Objektives wenig bis garnicht zu beobachten, verstärken sich diese Effekte zum Rand hin immer mehr. Eine Mischung von Glaslinsen (organisch) und anorganischen Linsen (Kunststoff) werden mit asphärischen Bauteilen kombiniert. Das sind nur wenige Techniken die in der Optimierung von Weitwinkelobjektiven Verwendung finden.

Nun weg von der trockenen-, hin zu der praxisorientierten Theorie:

„Vordergrund macht Bild gesund“ 

Eine der wohl größten Fotografie-Weisheiten überhaupt. In der Reportagefotografie lässt sich dadurch erlebtes besser nachempfinden, wenn die Szenerie von „im Vordergrund befindlichen“ Gegenständen gebrochen wird. Es lässt den Betrachter in den Moment eintauchen und sorgt ganz nebenbei für Tiefe. In der Landschaftsfotografie verhält sich das ähnlich. Komponiere deine Landschaftsfotos immer so, dass etwas im Vordergrund zu sehen ist. Lass es einen großen Stein sein, der im Gewässer vor dir liegt. Gehe näher an den Busch heran um deinem Foto den passenden Rahmen zu geben. Lass Baumwipfel oder Äste in das Bild ragen. Experimentieren ist angesagt. Finde die Harmonie zwischen Vorder- und Hintergrund. Gehe näher an das Objekt und du wirst merken, dass es immer mehr Beachtung findet, während der Hintergrund immer kleiner erscheint.

weitwinkel-beispeilfoto-12mm-CSC_Hyunggeun-Lee_yosemite-12mm-f5

Weniger ist mehr!

Dieser Grundsatz ist für sämtliche Genres der Fotografie gültig! Finde das zentrales Element auf das sich der Betrachter konzentrieren soll. Komponiere das Bild dann so, dass das Auge dort zur Ruhe kommt und verweilen kann ohne abgelenkt zu sein. Das ist gerade beim Fotografieren mit Weitwinkel Objektiven schwer, weil sich immer wieder Elemente finden, die sich schwer oder gar nicht aus der Komposition eliminieren lassen. Dennoch sollte es vermieden werden, dass der Betrachter sich das Bild aus vielen einzelnen Bildern zusammen bauen muss.

Lass dir Zeit!

Im Endeffekt läuft dieser Punkt analog zum vorherigen. Durch das bewusste Komponieren vergeht Zeit. Nimm dir die Zeit die du brauchst. Suche den perfekten Bildausschnitt. Auch hier gilt: Weniger ist mehr! Weniger Bilder auf der Speicherkarte, dafür aber mehr Bilder mit WOW Effekt.

Fotografieren aus der Hand? Wann sollte ein Stativ hinzu genommen werden?

Sobald du dazu neigst die Blende zu öffnen um noch genug Licht auf den Sensor zu packen, solltest du auf Stativ zurück greifen. Verzichte nicht auf die Tiefenschärfe, die durch das Abblenden deines Weitwinkels gewonnen wird. Es empfiehlt sich im übrigen die Kamera per Fernbedienung auszulösen um minimalste Verwacklungen ebenfalls auszuschließen. Dennoch: Wenn Du berücksichtigst, dass es zum Beispiel bei Brennweiten von 10mm möglich ist, 1/20 Sekunde aus der Hand zu fotografieren. Lässt dies unterschiedlichste kreative Möglichkeiten entstehen, die sich umzusetzen lassen.

Beispielfoto-Sample-Tokina-AT-X-14-20-Lens-7

Interessanter Sidefact: Durch das Abblenden sorgst du nicht nur für mehr Tiefenschärfe, sondern beugst unschönen Vignettierungen und Farbsäumen vor. Darüber hinaus werden die Randunschärfen minimiert.

Lichtreflexe vermeiden

Das ist natürlich nicht grundsätzlich so. In vielen Bildern ist ein durch die Sonne entstehender Lensflare ein probates Mittel um das gewisse Etwas aus einem Motiv heraus zu kitzeln. Ist das aber nicht gewünscht, hilft eine Streulichtblende ungemein. Ist mal Keine griffbereit, hilft es auch mit Hilfe der Hand gekonnt abzuschatten.

Lass Linien für dich arbeiten

Linien sind generell ein Thema mit dem du dich befassen solltest. Denn Linien können Himmel und Hölle eines Fotografen sein. Achte auf stürzende Linien und richte deine Kamera parallel zu dem zu fotografierenden Objekt aus um das weites gehend zu vermeiden. Verlagere den Blickwinkel nach unten oder oben um Linien zu dem Hauptelement deines Motivs zu lotsen oder such dir eine besser geeignete Stelle um Linien generell aus der Komposition heraus zu halten.

Weitwinkelobjektiv-Beispielfoto-Sample-Tokina-AT-X-14-20-Lens-15

Achte auf die Lichtverhältnisse!

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Himmel meistens relativ hell im Gegensatz zum dunklen Boden ist. Es gibt verschiedene Optionen dem Problem Herr zu werden. Die einfachste ist sicherlich sich mit einem ausgebrannten und strukturlosen Himmel abzufinden. Aber das kann nicht das Ziel sein. Eine andere, einfache Option ist der Einsatz von ND-Verlaufsfiltern um für mehr Kontrast zu sorgen. Letzte und etwas umständliche Variante ist eine Belichtungsreihe. Das hat allerdings zwei Nachteile. Punkt 1: Es ist oft spezielle Software notwendig. Beziehungsweise ist in diesem Fall generell viel mehr Nachbearbeitung am Computer notwendig. Punkt 2: Die Erstellung eines HDR Bildes endet oft in total überzeichneten Bildern, die weder viel mit der Realität noch etwas mit „schön“ zu tun haben. Versteh´ das bitte nicht falsch: Die Erstellung eines HDR Bildes ist eine Kunst für sich. Aber einem guten HDR sieht man nicht an, dass es Eines ist.

Das Weitwinkel und der Mensch

Diese Kombination verträgt sich nicht immer. Wenn Menschen auf ein Bild sollen, das mit einem Weitwinkel Objektiv gemacht wird, ist es ratsam diese Menschen in der Mitte zu platzieren. Möglichst weit weg von den Verzerrungen die am Bildrand enstehen. Es lässt sich aber auch in den Perspektiven spielen. Die Kamera in Bodennähe platziert mit einem leichten Schwenk nach oben, lässt die Beine endlos lang und den Oberkörper entsprechend kurz aussehen. Gleiches funktioniert auch genau anders herum. Die Kamera nah am Kopf mit einem leichten Schwenk nach unten, lässt den Kopf überproportional groß und den Körper sehr klein wirken.

Abschließend sei noch angemerkt, dass es keine Regeln oder Tipps gibt, die in Stein gemeißelt sind. Es empfiehlt sich zu üben, zu probieren und Regeln bewusst zu brechen. Trail and Error. Hinfallen, merken und notieren. Es lassen sich mit Weitwinkelobjektiven weitaus mehr machen, als nur die Landschaftsfotografie. Dennoch ist der Umgang mit dieser Art von Objektiven auch in anderen Bereichen relativ ähnlich. Hier ein paar Beispiele:

Beispielfoto-Sample-Tokina-AT-X-14-20-Lens Beispielfoto-Sample-Tokina-AT-X-14-20-Lens-2 Beispielfoto-Sample-Tokina-AT-X-14-20-Lens-10